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Jaeggi, Urs

KUNST

168 Seiten
Alexander Verlag Berlin
Broschur
ISBN: 978-3-89581-084-8

2.00 € (alter Preis: 14.90 €)



mehr zu Urs Jaeggi (Autor)

In seiner Texten über und zur Kunst analysiert der Schweizer Künstler und Soziologe Urs Jaeggi einerseits künstlerische Prozesse, andererseits die Künstler selbst. Dabei geht es ihm – ohne jeden pädagogischen Anspruch – vor allem um deren Intentionen, mit denen sie in gesellschaftliche Prozesse reflexiv eingreifen können/sollen/werden/ müssen.

»Es gibt Zufälle. Die Kuratorin konnte nicht wissen, daß es zwischen der ersten und der zweiten Ausstellung in diesem Jahr Korrespondenzen geben wird. Ich war, als ich Januar nach Fort Collins kam, erstaunt, im Museum von Loveland auf Arbeiten von australischen Aborigines zu stoßen, die in ihren Bildern zwar abstrakt Wasserlöcher, Schlangen, Gesänge, die ihnen die Landschaft abstecken, erfahrbar machen, während ich mich an zerstörte Wälder hielt und an marschierende Soldatenfüße. Auch sie Terrains absteckend. Der andere, offensichtliche Unterschied bei ähnlichem Umgang mit Räumen: die Arbeiten der Aborigines wirken, nachdem sie Holz und Rinde als Material kaum mehr gebrauchen, in den Tafelbildern sehr bestimmt im Darstellen des Unbestimmten, und dadurch dekorativ. Dagegen wirken Baumstrünke destruktiv, kaputter und zerstörter, auch wenn sie im musealen Raum Würde zurückgewinnen. Zerstörung ist kein Privileg des 20. Jahrhunderts, sondern etwas sehr Humanes. Seit es uns gibt, sind wir geniale Erfinder und Überleber, aber auch ebenso geniale Kaputtmacher. Die Große Gesellschaft, die sich inzwischen Global Society nennt, ist ein kompliziertes, undurchsichtiges Durcheinander, für das es historisch kein Beispiel gibt. Es ist, auch wenn der Einzelne es gern auf sich selbst bezieht, eine Verdrängungsgesellschaft. Wir verdrängen so weit möglich die schrecklichen Ängste und Verzweiflungen, in die uns die gesellschaftlichen Zustände eigentlich stürzen müssten. Brave new world, trotz allem. Es geht ja weiter, raffinierter, geschwinder und unabsehbarer.«
Urs Jaeggi, Kunst


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